Hopfen – meine Freizeitbeschäftigung

Einer der Vorteile in meinem Nebenjob ist es ja, dass ich wieder Zeit zum Schreiben finde. Zu Hause oder im Vollzeitjob geht’s eher sporadisch. Ich will euch heute von meinem Alljährlichen Erlebnis des Hopfen ausputzen (schneiden) erzählen.

Seit vier Jahren geh ich mit viel Elan hinaus auf‘s Feld und „putz“ den Hopfen aus. Es ist keine schwierige Arbeit, das einzige was eventuell sein kann, das der Rücken und die Knie zum schmerzen anfangen. Aber ich will hier nicht jammern. Mir macht es echt Spaß. Es ist eine richtige Abwechslung zu meinem Hauptberuf. Hier sitze ich sehr viel auf einem Bürostuhl und probiere jede erdenkliche Schokolade, das gehört aber zum Job, Schoki testen. 🙈 auf dem Feld ist es für mich wie Meditation. Ich genieße dort die komplette Ladung frische Luft, die Stille, den Wind der den Draht zum pfeifen bringt. Ich liebe den Duft des Hopfens. Einmal sagte ich zum Chef der Felder, wenn ich mal viel Geld hab durch einen Gewinn oder sonstiges, ich würd mir einen Hof kaufen der nur Hopfen pflanzt.

Dieses Jahr, war das „ausputzen“ ziemlich spät dran. Leider konnte ich nicht soviel mithelfen wie ursprünglich geplant. Der Hopfen wächst halt nur so, wie das Wetter es zulässt. Da es heuer noch ziemlich kalt im April war, ging es erst fast Mitte Mai los. Meinen Urlaub, den ich für die Zeit zum helfen genommen hatte, konnte ich leider nicht mehr verschieben. Ich denk aber eine kleine Hilfe war ich dann doch noch. ☺️

Bisher hatte ich mit dem Wetter auch immer Glück. Wenn ich draußen auf dem Feld war, hatte die Sonne geschienen. Nur dieses Mal war es anders. Wir hatten fast alles dabei. Wind, Regen, Graupelschauer und Sonnenbrand an den Ohren. 🤪

Ich will euch auch noch ein bisschen mit ein kleinwenig Fachwissen beeindrucken, darum hab ich hier eine kurze Erklärung wann und wieso der Hopfen ausgeschnitten wird. Welche Sorten es gibt und was man mit dem Hopfen noch alles machen kann außer Bier.

Ende April bis Mai erfolgt das „Ausputzen“ (Schneiden) des Hopfens, wobei nicht gewünschte, überflüssige Knospen und Triebe des Wurzelstocks entfernt werden. Das Ausputzen muss mehrmals wiederholt werden. Nach dem Schneiden wachsen erneut Triebe nach. Sie müssen – bis auf wenige gewünschte – entfernt werden. Von diesen werden zwei, meistens drei im Uhrzeigersinn an den so genannten Aufleitdraht gewickelt. Während der Wachstumsperiode muss die Rebe wiederholt nachgeleitet werden.

Im April und Mai wachsen die Pflanzen mit bis zu 30 cm pro Tag. Damit ist der Hopfen, nach einigen Bambusarten, die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt. Ende Juni erreicht die Pflanze die Spitze des Drahtes.

Eine weitere Besonderheit, die den Hopfen auszeichnet, ist der schnelle Ertrag. Bereits im zweiten Jahr nach der Anpflanzung erhält man eine fast vollständige Ernte.

Ende August beginnt die Ernte. Bis Ende September, manchmal auch noch in den Oktober, herrscht dann Hochbetrieb. Mit dem Reißgerät wird die Hopfenranke rund 50 cm über dem Boden heruntergerissen und fällt anschließend auf den Anhänger. Nach ungefähr 10 Minuten ist der Anhänger voll und wird zur Trennmaschine gebracht.

Händisch werden dort bis zu 500 Ranken pro Stunde eingespannt, damit die Hopfenpflückmaschine die Dolden anschließend in rund 99-prozentiger Reinheit vom Rest der Pflanze und dem Draht trennt. Anschließend werden die Dolden in einem dreistufigen Ofen bei 60 bis 65 °C gedarrt. Der Darrturm ist rund 15 Meter hoch und verringert die Feuchtigkeit des Doldens idealerweise auf 9 bis 10 Prozent. Die Kontrolle ist auch hier wieder Chefsache, denn die genaue Bestimmung wäre nur mit teurem Gerät, einer speziellen Mikrowelle, möglich. Also ist Erfahrung gefragt!

Anschließend werden die Dolden für sechs Stunden in der Konditionierungskammer belüftet, damit sich die Restfeuchtigkeit, die sich in erster Linie im Stängel und nicht in den Doldenblättern sammelt, auf den gesamten Dolden verteilt. Dadurch wird die Dolde beim anschließenden Pressen und Verpacken nicht zerstört.

Und dann? Geht es eigentlich schon in Brauereien auf dem ganzen Globus. Manche Brauerinnen und Brauer schwören auf getrocknete Dolden. Andere arbeiten lieber mit Pellets. Dafür wandern die Säcke mit den getrockneten und gepressten Dolden dann noch zu einem Pelletierer, der die zerriebenen Dolden in kleine, kompakte Pellets presst.

Damit ist der Weg des Hopfens auf dem Hopfengut also am Ende.

Wie ich ja am Anfang schon erwähnt hatte, es wird ja nicht nur Bier damit hergestellt, man findet ihn in der Küche, in der Naturheilkunde, als Zierpflanze im Garten, dass sieht allerdings der nächste Hopfenlandwirt nicht so gerne, wegen evtl. Krankheiten und Schädlinge unter den Hopfengärten. Als Herbstdekoration wird der Hopfenstrang auch noch gerne verwendet. Damit werden zum Beispiel Kränze gebunden.

In der Küche Die jungen Sprossen vom Hopfen, die im Frühjahr austreiben, sind ein wenig bekanntes, sehr gesundes und schmackhaftes Frühlingsgemüse. Es kann nur während weniger Wochen geerntet werden.

In der Naturheilkunde In der Naturheilkunde wird Hopfen wegen seiner vielen Inhaltsstoffe geschätzt. Darunter sind: Gerbsäure, Bitterstoffe, Lupulin und ätherische Öle. Die Hopfendolden werden zu Tee oder Tinkturen verarbeitet. Sie wirken gegen Unruhe, Entzündungen und Schmerzen.

Ich würde euch gerne auch noch ein paar Hopfensorten nennen. Einer meiner Lieblingssorten beim ausschneiden ist der Herkules. Diese Zuchtsorte verdankt ihren überaus passenden Namen dem kraftstrotzenden Helden aus der Antike. In der griechischen Sage bewältigte Herkules Aufgaben, die als schier unlösbar galten. Ähnliches kann über die enorm leistungsstarke Hochalphasorte mit kräftiger Bittere gesagt werden – sie muss eine Reihe von hohen Anforderungen seitens der Pflanzer und Brauer erfüllen.

Dann gibt es noch die Perle. Sie stammt von Northern Brewer ab und wurde in Hüll gezüchtet. Perle ist in Deutschland weit verbreitet und wird in den USA in Oregon und Washington angebaut. Durch das Zusammenspiel ausgewogener Aromen mit recht hohem Bittergehalt erfreut sich Perle besonderer Beliebtheit. Ihre bemerkenswerten Erträge und ausgesprochen hohe Krankheitsresistenz machen diese Sorte auch für Pflanzer besonders attraktiv.

Der Hersbrucker war allerdings mein Liebling unter all den anderen. Hersbrucker Spät, eine traditionelle Sorte aus dem gleichnamigen Anbaugebiet, ist von kräftigem Wuchs und besonders robuster Natur. Gegenüber Krankheitserregern ist sie weitgehend resistent.

Es gibt noch so viele verschiedene Sorten, ich hab hier nur drei genannt, sonst wird euch nur langweilig beim lesen und das will ich nicht.

Ich hoffe ihr hattet Spaß und habt vielleicht das ein oder andere noch nicht gewusst. Über ein kleines Feedback von euch würd ich mich wahnsinnig freuen.

In diesem Sinne! Bleibt bitte gesund 🍀 Eure Patricia

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